5. November 2010 - Annette Ulpins

Allgemeines über Nigeria Connection – Quelle Wikipedia

http://de.wikipedia.org/wiki/Vorschussbetrug

Geschichte

Vorschussbetrug per Briefpost ist schon seit dem 16. Jahrhundert bekannt. Richtig „populär“ wurde er aber erst mit dem Aufkommen von Fax und Internet Mitte der 1980er Jahre, als vor allem nigerianische Banden in hunderttausenden von Faxen, und später E-Mails, potentiellen Opfern in fehlerhaftem Englisch ungewöhnliche Gewinne versprachen. Daher wird diese Art des Betruges inzwischen auch four-one-niner oder 419 scam (nach dem relevanten Paragrafen 419 des nigerianischen Strafgesetzbuchs, der sich mit dieser Straftat vor Erlass der Vorauszahlungsverordnung Nr. 13 im Jahre 1995 befasste) oder aber auch Nigerianischer Brief (Nigeria-Connection) genannt.
Inzwischen agieren die Trickbetrüger auch aus anderen Städten und Staaten mit nigerianischer Population, wie London, den Niederlanden, Kanada, Madrid, Dubai und anderen. Am 13. Februar 2003 erschoss ein geprellter Tscheche aus Rache den nigerianischen Botschafter in Prag, der seine Hilfe gegen finanzielle Beteiligung angeboten haben soll.

Methodik

Das System dieser Betrügerei zielt darauf ab, das Opfer zu einer Zahlung für verschiedene fiktive Kosten zu veranlassen, z. B. für einen Rechtsanwalt, damit der Geldtransfer abgeschlossen werden kann. Dem Bundeskriminalamt zufolge handelt es sich um einen schematischen Tatablauf: Bekundet jemand sein Interesse an dem angebotenen „Geschäft“ und antwortet auf das Angebot per E-Mail, erhält er per Telefax zahlreiche offiziell aussehende Schreiben etwa der „Central Bank of Nigeria CBN“, der „Nigerian National Petroleum Corporation NNPC“, oder sonstigen, meist fiktiven Behörden, in denen er als Empfänger der Millionensumme eingetragen ist. Die angebliche Freigabe der Gelder wird anschließend durch unterschiedliche fiktive Behörden wie „The Presidency – Debt Reconciliation Committee”, „The Foreign Payment Office”, „Debt Management Department”, „Office of the Accountant General”, „Federal Inland Revenue Service”, „Central Bank of Nigeria – Department of Foreign Operation”, „Fund Release Authority”, „International Fund Remittance” u.ä. bestätigt.

Vor der Auszahlung werden jedoch in allen Fällen Provisions-, Verwaltungs- oder Versicherungsgebühren fällig, die von dem deutschen „Geschäftspartner“ gefordert werden. Hat dieser dann Vorauszahlungen geleistet, verzögert sich die Auszahlung des Millionenbetrages immer wieder wegen unterschiedlichster „Schwierigkeiten“, die nur durch Zahlung weiterer Beträge beseitigt werden können. Nicht selten werden zur Übergabe des Geldes persönliche Treffen im europäischen Ausland (bevorzugt London, Amsterdam und Madrid) arrangiert.

Neben Nigeria sind in den letzten Jahren weitere afrikanische Staaten wie Togo, Ghana, Sierra Leone, Elfenbeinküste und Südafrika als Absenderländer bekannt geworden. Neuerdings kommen die Mails auch aus Kanada, Singapur, Thailand, Mauritius, den Philippinen, Korea oder dem benachbarten Ausland. Die angebliche Herkunft der Gelder reicht von unterschlagenem Firmenvermögen über unverhofft aufgetauchte Familienschätze, Kriegsbeute, Lotterie- oder Gewinnspiele bis hin zu angeblichen Erbschaften nach plötzlichen Todesfällen.[2] Obwohl die Geschichten, die in den Betrugsbriefen erzählt werden, fantastisch und völlig unglaubwürdig sind, fallen immer wieder einzelne leichtgläubige Personen und sogar staatliche Stellen auf diese Masche herein. So zahlte die Stadt Ennigerloh 2001 einem Sozialhilfeempfänger 145.000 €. Er hatte den Bürgermeister durch einschlägige Dokumente von einem angeblich in Afrika festsitzenden Vermögen von 34 Mio. € überzeugt und versprochen, ein Vielfaches des Vorschusses an die Stadt zurückzuzahlen, sobald er an sein Geld gekommen sei. In der Folge dieser Vorkommnisse verlor der Bürgermeister sein Amt und musste sich wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder vor Gericht verantworten.

Scam bei Online-Auktionen bezeichnet das Anbieten von Originalverpackungen oder simplen Informationen, wie z. B. Cheats für Spiele, in einer Art, die suggeriert, man würde ein vollwertiges Produkt anbieten.

Gefahren

Neben Geld, das man bei Scam als Vorschussleistung entrichtet und verliert, besteht auch die Gefahr, sich in erheblichem Maße strafbar zu machen. Manche Scammer geben vor, dass man aus irgendwelchen abstrusen Gründen Geldsummen über ein Zwischenkonto des Betrogenen transferieren müsse und der Betrogene wird dafür mit einer Provision belohnt. Tatsächlich handelt es sich dabei meistens um Geldwäsche.

Das transferierte Geld stammt aus den Gewinnen krimineller Organisationen, vor allem Rauschgifthandel. Daher wird der Tatbestand der Geldwäsche entsprechend hart bestraft. In der Regel ist mit Haftstrafen zu rechnen, wodurch der Schaden weit höher ausfallen kann als der Verlust aller Ersparnisse.

Manche Scam-Opfer nehmen zudem gutgläubig Kredite auf oder leisten eine Bürgschaft, wodurch sie sich vor Forderungen stellen, die sie über Jahrzehnte abbezahlen müssen. In Einzelfällen beschaffen sie sich auch noch größere Summen aus dem Bekanntenkreis und auch durch Betrug.

Formen

Nigeria-Scam

Typischer Vertreter dieser Spielart ist der Nigeria-Scam der Nigeria-Connection. Hier behaupten die Absender, Kenntnisse von Konten ehemaliger Machthaber oder Großkonzerne in Entwicklungsländern zu besitzen und nun die Hilfe des Mailempfängers zu benötigen, um die Millionensummen ins Ausland zu transferieren. Die dafür in Aussicht gestellten Provisionen im zweistelligen Prozentbereich locken die Opfer, im Vorfeld Gelder – vorgeblich für Gebühren, Bestechungen etc. – zu bezahlen. Oftmals werden täuschend echt gestaltete Webseiten erstellt, die denen von Behörden und Banken sehr ähnlich sehen und von der Seriosität des Angebots überzeugen sollen. Auch unverhoffte Lotteriegewinne, die eingelöst werden müssen, und Treuhandbetrug (mit Hilfe eigener Treuhänder) bei Online-Auktionshäusern gehören zum Repertoire der Nigeria-Scammer. Hierbei werden teure, meist elektronische Artikel erstanden, die dann ins Ausland verschickt werden sollen, und zur Zahlung soll ein vom Käufer ins Spiel gebrachter Treuhänder verwendet werden, der natürlich niemals Geld an den Verkäufer weiterleitet, nachdem die Ware verschickt wurde.

Internet Love Scam

Hier handelt es sich um eine Art von Vorschussbetrug mittels einer fiktiven Liebesgeschichte mit Hilfe von E-Mail und Chatsystem. Jemand nimmt in einer Single-Börse Kontakt auf und ist bald der Meinung, den Liebespartner gefunden zu haben. Daraufhin wird schnell behauptet, man sei Hals über Kopf verliebt. Man brauche Geld für das Internetcafe, weil man sonst den Kontakt nicht aufrechterhalten könne. Im weiteren Verlauf werden Treffen vorgeschlagen, für deren Realisierung Geld überwiesen werden müsse, z. B. einen Vorschuss für das Flugticket, Visumsgebühren, BTA (Basic Travel Allowance) und anderes. Ein weiterer Vorwand ist ein Krankenhausaufenthalt, für den Geld überwiesen werden soll, um der „geliebten“ Person zu helfen.

Scam beim Gebrauchtfahrzeugverkauf

Wer sein Kfz über Internetbörsen verkaufen will, erlebt oftmals ähnliches. Hier wird dem Verkäufer eine E-Mail geschickt, in der angekündigt wird, den geforderten Preis ohne weiteres zu zahlen, jedoch soll die Zahlung mittels Scheck erfolgen. Dieser ist jedoch auf eine höhere Summe als der Kaufpreis ausgestellt. Der Verkäufer soll dann den Scheck einlösen und den Differenzbetrag dem Abholer des Fahrzeugs mitgeben, um auf diese Weise den Transport des Fahrzeuges zu zahlen. Oftmals erhält der Verkäufer auch zunächst Bargeld, wenn er den Scheck einlöst. Häufig stellt sich aber heraus, dass der Scheck nicht gedeckt ist, so dass alles zurückgebucht wird. In der Zwischenzeit ist in der Regel aber auch das zu verkaufende Fahrzeug schon abgeholt und ins Ausland verbracht worden. Eine vernünftige Rückabwicklung des Geschäftes ist im Grunde unmöglich.

Scam beim Forderungseinzung / Unterhaltssachen

Diese Form des Scam richtet sich (derzeit) vor allem an Rechtsanwälte. Es meldet sich die angebliche geschiedene Frau eines Deutschen mit der Bitte, die in der Scheidungsfolgenvereinbarung vereinbarte Summe einzutreiben (in der Regel mehrere hunderttausend Dollar), die sich der ehemalige Partner weigert zu zahlen. Wenig später meldet sich der angebliche Partner selbst aus dem Ausland mit einer Entschuldigung für die Unannehmlichkeiten und einem Auslandsscheck, den der deutsche Empfänger einlösen und das Geld dann an die angebliche Ex-Frau weiterleiten möge. Hier ist der Scheck meist eine sehr gute Totalfälschung, so dass das Geld zunächst in Deutschland gutgeschrieben und hierüber verfügt werden kann, jedoch später eine Rückbuchung erfolgt.

Betrogene Betrüger („Scam Baiting“)

Im Internet hat sich mit dem Scam Baiting (sinngemäß Betrüger ködern) eine Gegenbewegung zu dieser Form des Betrugs herausgebildet. Hierbei wird in der Regel versucht, die Vorschussbetrüger (Scammer) selbst zu „betrügen“. Dabei geht der Scam Baiter zum Schein auf die Forderung des Scammers ein, erfindet aber selbst eine Geschichte, die den Scammer veranlassen soll, auf seine eigene Gier hereinzufallen. Gute Scam Baiter können die Betrüger sogar dazu überreden, selbst Vorleistungen zu erbringen oder an einem Treffen teilzunehmen. Im Allgemeinen gelingt dies selten, zum Sport hat es sich jedoch entwickelt, vom Scammer als Beweis, dass es ihn gibt, Selbstporträts zu verlangen, auf denen der Scammer oftmals in einer lächerlichen Situation erscheinen soll oder Schilder mit – ihm meist unverständlichen – Obszönitäten zeigt.[5]

Sinn des Scam Baiting ist, die Scammer von potenziellen Opfern fernzuhalten bzw. so zu beschäftigen oder zu ärgern, dass sie weniger Personen betrügen. Manchmal können auch wichtige Informationen an die Ermittlungsbehörden weitergegeben werden. Es ist allerdings mit dem Risiko verbunden, selbst Opfer einer Racheaktion zu werden.

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